Fahrprüfer

Mal nachsichtig, mal nachdrücklich

Sie sitzen schräg hinter dir, geben Anweisungen und beobachten, was du am Steuer drauf hast. Wir haben einen Prüfer erzählen lassen.

Dienstag, 30.06.2020
Lesezeit: 3 Minuten
Dienstag, 30.06.2020
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In diesem Artikel erzählt ein Fahrprüfer:

  • wie er sich um eine entspannte Atmosphäre bemüht
  • warum eine Prüfung schon nach Sekunden zu Ende sein kann
  • wann er mit der Prüfung gar nicht erst beginnt

Wer Jörg Böker mit seinem freundlichen ­Lächeln auf der Straße trifft, käme niemals auf die Idee, dass es Jahr für Jahr 1.800 Menschen gibt, die kurzzeitig richtig Muffensausen vor ihm haben. Böker ist Fahrprüfer, oder wie sein offizieller Titel lautet: amtlich anerkannter Fahrerlaubnisprüfer beim TÜV. Und Böker ist nicht nur auf der Straße freundlich, sondern auch in seinen Prüfungen.

Wenn er nicht in Paderborn Bürotag hat, dann sitzt Böker in Fahrschulautos, Lkws und Bussen, die alle äußerlich nicht mehr als Lehr­fahrzeuge gekennzeichnet sind. Wer immer im südlichen Ostwestfalen zur Führerschein­prüfung antritt, wird entweder von Böker selbst begutachtet oder von einem seiner 42 Kollegen, deren Teamleiter er ist.

Schluss nach 1,50 Metern

Böker kennt die Aufregung der Fahr­schüler und versucht gleich zu Beginn, ihnen die schlimmste Nervosi­tät zu nehmen. Nach einem kurzen Auftakt­gespräch über dies und das, was am Fahrzeug oder beim Fahren wichtig ist, geht’s los in den Verkehr, und der Prüfling kann ­zeigen, was er draufhat.

»Meine kürzeste Prüfung war leider schon nach 1,50 Metern zu Ende«, erzählt ­Böker. Der Kandidat hatte den Schalthebel auf »R« geschoben und wollte beherzt losdüsen. Hätte der Fahrlehrer nicht gebremst, wäre der Wagen rückwärts gegen die Mauer gestoßen. Hier war trotz aller Anfangshilfe nichts zu ­machen gewesen.

 

Keine Prüfung ohne Ausweis

Bei kleineren Unbeholfenheiten zu Beginn gibt Böker seinen Prüflingen durchaus erst einmal einen hilfreichen Tipp. Anfahren mit angezogener Handbremse? »Dann frage ich augenzwinkernd, was denn das rote Warnlicht an der Instrumententafel bedeutet«, erzählt er.

Die allerkürzesten Prüfungen sind jene, die Böker gar nicht erst startet, weil die ­Kan­di­­datin oder der Kandidat sich nicht aus­wei­sen kann. Ausweis ist aber Bedingung! Seit 17 Jahren ist Böker nun schon als Fahrprüfer auf Achse, etwa 30.000 Mal hat er Prüflingen über die Schulter gesehen, meistens im Auto, wo er vorschriftsmäßig immer hinten rechts sitzt.

Fortbildungen sind Prüferpflicht

Böker ist 52 Jahre und stammt aus einer alten Fahrlehrerfamilie. Wie alle Prüfer kann auch Böker jedes Fahrzeug selbst fahren, auf dem er prüft. Außerdem ist er mehrmals im Jahr auf Fortbildung, damit sein Wissen und Können immer aktuell sind.

Als seine beiden Kinder vor ein paar Jahren ihren Führerschein machten, kam Böker als Prüfer natürlich nicht infrage. Um die Fahrkünste der beiden habe er sich damals aber auch keine Sorgen gemacht, erzählt er, und nennt auch gleich den Grund: »Mein ­Vater hatte sie ja ausgebildet.«

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